England wird in Kürze eine Kurtaxe einführen, da die Behörden den lokalen Beamten die Befugnis erteilen, von Übernachtungsgästen eine Gebühr zu erheben.
Insbesondere werden Bürgermeister und andere Behörden in der Lage sein, in ihren Städten und Gemeinden eine Übernachtungssteuer durchzusetzen. Nach Angaben der Regierung wird diese Maßnahme den Gemeinden dabei helfen, größere wirtschaftliche Vorteile aus dem Tourismus zu erzielen.
Der Vorschlag hat jedoch in der Gastronomie- und Unternehmensbranche eine Debatte ausgelöst.
So warnen beispielsweise Branchenverbände davor, dass eine Erhöhung der Gebühren die Reisekosten in die Höhe treiben und die Wettbewerbsfähigkeit Englands beeinträchtigen könnte. Gleichzeitig weisen Befürworter darauf hin, dass Besucher davon nur profitieren würden, da die Steuern zur Finanzierung der von ihnen genutzten Infrastruktur dienen würden.
Insgesamt kommt es zu dieser Meinungsverschiedenheit, während sich Edinburgh darauf vorbereitet, die erste stadtweite Kurtaxe Großbritanniens einzuführen.
So wird die geplante Tourismussteuer in England funktionieren
Gemäß dem Plan der Regierung werden die lokalen Entscheidungsträger entscheiden, ob eine Übernachtungsabgabe für ihre Regionen geeignet ist.
Daher wird England keine einheitliche, landesweite Kurtaxe einführen.
Stattdessen müssen die Behörden vor der Einführung eigener Programme vor Ort Konsultationen durchführen. Sie werden zudem selbst entscheiden, wie sie die daraus resultierenden Einnahmen anlegen.
Die Abgabe wird als Prozentsatz der Übernachtungskosten und nicht als feste Gebühr pro Nacht erhoben. Folglich würden Gäste in günstigeren Unterkünften weniger zahlen als diejenigen, die in Luxushotels übernachten.
Die Regierung erklärt, dass dieser Ansatz preisbewusste Reisende vor unverhältnismäßigen Gebühren schützen wird.
Darüber hinaus könnten die Behörden die Einnahmen zur Förderung des Verkehrswesens, der Einkaufsstraßen, von Veranstaltungen und anderer lokaler Prioritäten verwenden.
Nach Angaben der Regierung werden die Kommunalpolitiker bis März 2028 ihre Ausgabenpläne vorlegen können.
Angela Rayner erklärte, die neuen Befugnisse würden den Gemeinden dabei helfen, in Bereiche zu investieren, die den Einwohnern und Besuchern zugutekommen.
Die Regierung erklärt, die Abgabe werde den lokalen Entscheidungsträgern dabei helfen, in „Einkaufsstraßen, den öffentlichen Nahverkehr und Veranstaltungen“ zu investieren, die den Tourismus fördern.
Edinburgh führt die Besuchergebühren ein
England muss nicht lange nach einem Beispiel suchen.
Edinburgh führte am 24. Juli 2026 die erste gesetzlich vorgeschriebene, stadtweite Besucherabgabe im Vereinigten Königreich ein.
Die schottische Hauptstadt erhebt nun eine Abgabe in Höhe von 5 % der Kosten für bezahlte Übernachtungen vor Mehrwertsteuer. Die Abgabe gilt jedoch nur für die ersten fünf aufeinanderfolgenden Übernachtungen.
Die Gebühr gilt für Touristen, Geschäftsreisende und sonstige Gäste, die eine kostenpflichtige Unterkunft in Anspruch nehmen.
Edinburgh rechnet damit, dass das Programm jährlich bis zu 50 Millionen Pfund einbringen wird.
Die Stadt plant, diese Mittel in die Infrastruktur, öffentliche Räume, kulturelle Einrichtungen und die Tourismuswirtschaft im weiteren Sinne zu reinvestieren.
„Wir haben nun die einmalige Gelegenheit, verstärkt in die Dinge zu investieren, die unsere Stadt so besonders machen“, sagte Ratsvorsitzende Jane Meagher.
Sie wies zudem darauf hin, dass die Beliebtheit von Edinburgh die lokalen Einrichtungen und die Einwohner unter Druck setze.
Daher betrachten die Stadtverantwortlichen diese Abgabe als eine Möglichkeit, diese Kosten auf die Besucher umzulegen.
Die Debatte darüber, wer die Kurtaxe zahlen soll, spitzt sich zu
Dennoch werfen Besuchergebühren die Frage auf, welche Reisenden die Kosten des Tourismus tragen sollten.
Übernachtungsgäste leisten einen direkten Beitrag zum Umsatz von Hotels, Restaurants, Bars und anderen lokalen Unternehmen. Dennoch sind sie die Hauptzielgruppe von Abgaben auf Übernachtungen.
Gleichzeitig können Tagesausflügler auch erhebliche Belastungen für das Verkehrssystem, die Straßen, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Einrichtungen verursachen.
Einige europäische Reiseziele haben mit verschiedenen Ansätzen experimentiert.
Venedig hat beispielsweise während der Hochsaison Gebühren eingeführt, die sich an bestimmte Tagesbesucher richten.
Infolgedessen könnte sich die Debatte im Vereinigten Königreich letztendlich über Hotelgäste hinaus ausweiten.
Die Kommunalverwaltungen müssen die Erzielung von Einnahmen gegen die Fairness und den gesamtwirtschaftlichen Beitrag der verschiedenen Besuchergruppen abwägen.
Die Reisebranche warnt vor höheren Kosten
Die Branchen Gastgewerbe und Geschäftsreisen haben größere Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen geäußert.
Geschäftsreisen, Konferenzen und Großveranstaltungen können Hunderte oder Tausende von Übernachtungen generieren.
Daher können selbst geringe prozentuale Gebühren die Gesamtkosten für die Organisation großer Veranstaltungen erheblich in die Höhe treiben.
Die derzeitige Steuerlast im Vereinigten Königreich hat diese Bedenken noch verstärkt.
Beherbergungsbetriebe unterliegen bereits einem Mehrwertsteuersatz von 20 %. Vertreter der Branche argumentieren, dass eine weitere Abgabe konkurrierende Reiseziele attraktiver machen könnte.
Darüber hinaus könnten in England je nach Region unterschiedliche Sätze gelten.
Diese Möglichkeit weckt Bedenken hinsichtlich eines Flickenteppichs lokaler Vorschriften, insbesondere für Unternehmen, die Dienstreisen über mehrere Städte hinweg organisieren.
UKHospitality hat zudem vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen gewarnt.
Von der Organisation zitierte Forschungsergebnisse schätzen, dass eine Abgabe in Höhe von 5 % bis zum Jahr 2030 zum Verlust von 33.000 Arbeitsplätzen führen könnte. Zudem könnte sie die Wirtschaftsleistung um 2,2 Milliarden Pfund verringern.
Diese Zahlen stellen jedoch eher Prognosen dar als tatsächlich beobachtete Auswirkungen des in England vorgeschlagenen Systems.
Auch die Nachfrage seitens internationaler Studierender ist rückläufig
Die Debatte um den Tourismus findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem eine weitere wichtige Quelle für internationale Besucherzahlen unter Druck gerät.
Die Zahl der Anträge auf ein Studentenvisum für Großbritannien ist im vergangenen Jahr erheblich zurückgegangen.
Zahlen des Innenministeriums zeigen, dass im Jahr bis August 2026 insgesamt 360.700 Anträge auf ein gefördertes Studienvisum von Hauptantragstellern gestellt wurden.
Dies entspricht einem Rückgang von 16 % gegenüber dem Vorjahr.
Zudem gingen die Anträge von studierenden Angehörigen im gleichen Zeitraum um 22 % auf 17.000 zurück.
Auch separate Daten von Enroly deuten auf eine rückläufige internationale Rekrutierung an den Hochschulen hin.
Die Zahl der ausgestellten Studienzulassungsbescheide ging im gesamten Netzwerk der britischen Partnerhochschulen von Enroly um 26,9 % zurück.
Die Zahl der Zulassungen für internationale Studierende ging um 22,1 % zurück.
Unterdessen lag die Zahl der Visumsablehnungen bei allen Nationalitäten um 30 % höher als ein Jahr zuvor.
Einige wichtige Arbeitsmärkte verzeichneten besonders starke Rückgänge.
So gingen beispielsweise die CAS-Zuteilungen bei pakistanischen Studierenden um 57,9 % und bei nigerianischen Studierenden um 37,8 % zurück.
Die Zahlen von Enroly beziehen sich jedoch ausschließlich auf die Partnerhochschulen des Unternehmens und stützen sich teilweise auf selbst gemeldete Ergebnisse bei der Visumsbeantragung.
Diese Rückgänge stehen in keinem direkten Zusammenhang mit der geplanten Tourismusabgabe.
Dennoch verdeutlichen sie allgemeine Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit Großbritanniens, für internationale Reisende, Studierende und Unternehmen attraktiv zu bleiben.
Großbritannien steht vor einem heiklen Balanceakt
Kurtaxen stellen für die Kommunen eine zunehmend attraktive Einnahmequelle dar.
Allein Edinburgh rechnet damit, durch sein neues System jährlich bis zu 50 Millionen Pfund einzunehmen.
Für die lokalen Entscheidungsträger könnte dieses Geld zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen und gleichzeitig die Belastung der Einwohner durch den Tourismus verringern.
Allerdings könnten höhere Besucherkosten auch Einfluss darauf haben, wo Reisende und Veranstalter ihr Geld ausgeben.
Die Herausforderung für England wird daher darin bestehen, diese konkurrierenden Prioritäten in Einklang zu bringen.
Das Ergebnis wird davon abhängen, welche Tarife die lokalen Entscheidungsträger festlegen und wie deutlich sie die Vorteile darlegen.
Letztendlich hängt der Erfolg von Besucherabgaben möglicherweise davon ab, ob Reisende nachvollziehen können, wohin ihr Geld fließt.
Foto von Vadim Sherbakov auf Unsplash